Menschen, Menschen über alles – über jedes Vaterland!

Eine Performance zum Thema „Menschen suchen Zuflucht“.
Eine Einladung zu Reflektion, Reaktion, Diskussion.
Aufführungstermine:
1. Oktober 2016, 21 Uhr (Einlass 20:30 Uhr) → Karten kaufen
2. Oktober 2016, 20 Uhr (Einlass 19:30 Uhr) → Karten kaufen

Interkulturelle Woche


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Menschen suchen Zuflucht – Pressetext

3.100 ist nur eine Zahl. Es gibt größere, 100.145 zum Beispiel, 81.770.900 oder 508.450.000. Hinter Zahlen, die so sauber und abstrakt sind, verstecken sich aber auch Geschichten. Von 508 Millionen Europäern zum Beispiel oder fast 82 Millionen Deutschen. Von 100.145 Menschen, die bis Mitte 2016 lebend über das Mittelmeer nach Italien gekommen sind. Von 3.100 Toten.

Geschätzte Zahlen erzählen von den Menschen, die in Auffanglagern in Syrien oder der Türkei, Libyen oder Tunesien leben, erkranken und sterben, von Menschen, die Angst haben, die gefoltert werden, die einfach verschwinden, weil ihnen Hilfe verweigert wird. Eine andere Zahl: 257.208 Menschen haben bei der letzten Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ihre Stimme der AfD gegeben.

Dass Menschen Zuflucht suchen, beschäftigt Stammtischredner, Leserbriefschreiber, Facebooknutzer, Morgenschwimmer, Saunagänger, Bier- und Weintrinker. Wer in den letzten Monaten das Thema angeschnitten hat im Verwandten-, Freundes- und Bekanntenkreis, konnte interessante und erschreckende Reaktionen ernten, teilweise unerträgliche.

Tatsächlich hat das Theater Alte Feuerwache es nicht mehr ertragen. Einige Vereinsmitglieder haben sich bereits in der Betreuung Geflüchteter engagiert, im Verein wurde immer wieder diskutiert, wie man darüber hinaus helfen könne. Alle aber hatten auch Geschichten zu erzählen von Menschen, denen 17 Mittelmeertote am Tag nicht genug waren.

Im März schließlich richtete der Verein eine Arbeitsgruppe ein, die eine Antwort finden sollte auf die Frage, wie sich ein gesellschaftlich engagierter Verein in der Debatte positionieren kann. Die AG „Menschen suchen Zuflucht“ sollte dem Verein eine selbstbewusste Stimme geben in einer Diskussion, die zunehmend von Populisten und Brandstiftern dominiert zu werden droht.

Unter dem Slogan „Menschen, Menschen über alles – über jedes Vaterland!“ wird das Theater Alte Feuerwache zukünftig Veranstaltungen durchführen und Stellungnahmen veröffentlichen. Vor allem wird der Verein ohne Angst vor dem Shitstorm der Fühllosen die Debatte darüber begleiten, wie wir mit Geflüchteten, aber auch mit Fürsprechern einer offenen Gesellschaft umgehen.

Als Teil der offenen Gesellschaft sehen wir uns in der Pflicht, jenen Gegenrede zu halten, die ihre menschenverachtende Meinung für die einzig richtige halten, weil sie Sprachlosigkeit als akzeptierte Alternativlosigkeit annehmen. Nicht zuletzt, weil derzeit überall in der Welt zu besichtigen ist, wie Populisten, sind sie erst an der Macht, mit Menschen umgehen, die für Freiheit und Kunst kämpfen.

Als Auftaktveranstaltung zur gesellschaftlichen Selbstverortung wird das Theater Alte Feuerwache im Rahmen der Interkulturellen Wochen eine einstündige Performance im Badehaus 2 präsentieren. 13 Darsteller werden am 1. und 2. Oktober in Texten, Liedern und Gedichten zur Reflektion aufrufen, zur Reaktion und Interaktion.

Die Beiträge stammen im Original von bekannten Künstlern wie Tucholsky und Kreisler, aber auch von jungen Migranten und österreichischen Bands. Leserbriefe und mehr oder weniger kritische Beiträge aus den Medien liefern verstörendes Material. Vor allem aber wurzelt alles in Aussagen des täglichen Diskurses, die zu überhören wir nicht mehr ertragen können.

Karten für diese Performance gibt es bei der Buchhandlung am Park, der Bad Nauheim Stadtmarketing und Tourismus GmbH sowie allen ReserviX-Vorverkaufsstellen und online. Die Karten kosten 5 € (3 € ermäßigt) inkl. VVk-Gebühren. Sämtliche Einnahmen aus Tickets und Spenden fließen in ein Projekt zur Unterstützung alleinreisender minderjähriger Geflüchteter.